Tragische Komödie im Horizont Theater

Die beliebte Schullektüre der Klasse 10, das Drama „Der Besuch der alten Dame“ von Friedrich Dürrenmatt, ist schon lange im Programm des Kölner Horizont Theaters.

Von Lucy Ruppert, Lisa Ruppert, Christine Reißberg

Köln. Der kleine, dunkle Raum , mit Platz für 99 Zuschauer ist ausgestattet mit einer intimen Kellerbühne, auf der ein weißes Spinnennetz zu sehen ist, welches bereits erahnen lässt, was sich später im Laufe des Stückes ereignen wird. Ein perfides Intrigenspiel, das letzten Endes ein Opfer fordert. Denn die rachsüchtige alte Dame, Claire Zachanassian, spinnt ihre Fäden um die ganze Stadt Güllen. Begrüßt werden die Zuschauer mit dem Lied „I will survive“ von Gloria Gaynor, was auch die Situation widerspiegelt.

Das dargebotene , schon oft gespielte Stück wurde im Horizont Theater in Köln aufgeführt. Das Theater besteht seit 25 Jahren und ist ein wichtiger Bestandteil der Kölner Theaterszene. Es werden Stücke für jede Altersgruppe geboten. Dafür ist der Theaterleiter Christos Nicopaulus zuständig. Regie beim kleinen Ensemble von 7 Schauspielern führt Rainer Ortmann.

Er erzählt die Tragödie von Dürrenmatt. Nach vielen Jahren kehrt die alte Milliardärin Claire Zachanassian wieder in ihre verarmte Heimatstadt Güllen zurück. Die Bürger von Güllen sind auf ihre großzügige Spende angewiesen. Sie allerdings will nur Geld investieren, wenn man ihr Alfred Ill, den beliebtesten Bürger Güllens und ihren ehemaliger Jugendfreund, tot vor die Füße legt. In einer spannenden Handlung erfährt man Stück für Stück die gemeinsame Vergangenheit von Claire und Ill und warum die Milliardärin ihn tot sehen will. Ill hat Claire damals vor vielen Jahren, als sie schwanger war sitzengelassen. Er hat Zeugen bestochen, dass diese vor Gericht , um seine Vaterschaft zu leugnen, lügen. Nun fordert sie Gerechtigkeit. Die Bürger unterdessen, verschulden sich immer mehr. Sie stehen zunächst hinter Ill, doch im Laufe des Stückes schlägt die Stimmung um. Je mehr die Bürger besitzen, desto näher rückt Ills Tod. Am Ende besiegt die Gier die Menschlichkeit und Ill wird ermordet.

Umgesetzt wird das Stück relativ originalgetreu, auch wenn einige Szenen fehlten und die Art der Darstellung ein wenig abwich. So wurden beispielsweise weniger Requisiten verwendet, als im Buch beschrieben. Hauptsächlich Koffer und Kisten kamen zum Einsatz , allerdings wurden die Szenen durch Lichteffekte bereichert. Rote Scheinwerfer standen für Gefahr und mit Grün wollte man den Wald verdeutlichen. Außerdem wurden auch Soundeffekte eingesetzt. So hörte man den Panther der alten Dame brüllen, welcher Ill symbolisieren sollte. Gelungen ist auch die Personendarstellung und die schauspielerischen Leistung. So überzeugte Ill, der vor Angst beinahe dem Wahnsinn verfiel. Auch die Schauspielerin, die Claire Zachanassian darstellte, war sehr authentisch. Zudem hat man eine gute Lösung für die Problematik des kleinen Ensembles gefunden. Manchen Darstellen wurden einfach mehrere Rollen anvertraut. Der unterhaltsame Polizist wurde vom selben Schauspieler dargestellt , wie der Bahnhofsvorsteher, der Turner und der Butler von Zachanassian. Insgesamt wurde das Stück sehr gut umgesetzt, auch wenn das Groteske vernachlässigt wurde, welches in Dürrenmatts Stücken wichtig ist. Trotzdem würden wir das Stück weiterempfehlen, allerdings nur Lesern der Lektüre, da es sonst verwirrend sein könnte.

Rezension: 10b bei „der alten Dame“

Köln. Das Erste, was man sieht, ist das Bühnenbild, gemacht als ein Spinnennetz. Um die Bühne herum gibt es knapp 100 Sitzplätze, wobei nicht alle den besten Blick haben können. Das alles spielt in einem dunklen Keller. Irgendwie gemütlich, aber auch geheimnisvoll. Mit einem dunklen ganz leichtem Licht. Mit vollem Einsatz und Gefühl spielen die Schauspieler ihr Stück. Die tragische Komödie „Der Besuch der alten Dame” von Friedrich Dürrematt wird von der munteren Truppe auf die Bühne des Horizont Theaters gebracht.

Die Schauspieler in diesem Stück sind Helga Bakowski, Egmont Stawinoga, Doris Otto, Maren Pfeiffer, Andreas Strigl, Martin-Maria Vogel, Sunga Weineck oder Guido Grollmann. Die Regie führte Reinar Ortmann. Übrigens istdieses nicht ihr einziges Stück, denn das kleine Theater bietet ein abwechlungsreiches Repertoire an.

In dem Stück geht es um ein armes Dorf namens Güllen, das sehr schwere finanzielle Probleme hat. Und eine reiche Frau, die für einen Deal dem Dorf Geld schenken würde. Für eine Milliarde will sie Gerechtigkeit kaufen – die Tötung ihrer Jugendliebe  Alfred Ill, der sie damals schwängerte und sich der Vaterschaftsklage mit bestochener Zeugen widersetzte. Am Anfang lehnte die Stadt Claires Forderung einstimmig abgelehnt, aber schnell beginnt sie schon das Geld für ILLs Tötung, dass sie noch nicht hat, auf Kredit auszugeben. Das Stück wird spannend, denn man denkt “Tun sie ‘s, oder nicht?”

Mitreißende Schauspieler

Diese Schauspieler spielen wirklich mit Herz! Man sieht, wie viel Mühe sie sich geben und ab und zu ist auch etwas Witziges dabei. Es ist schon sehr sehr nah an der Vorlage gehalten, bis auf einzelne Szenen, die weggelassen wurden, da man ja gucken muss, dass es bei den angegebenen 90 min bleibt und außerdem nicht alle Rollen verteilt werden konnten. Dennoch wird mit den Requisiten verdeutlicht, wo sich die Szene gerade abspielt.
Mit dem Hintergrund, der am Anfang sehr eintönig wirkte, erkennt man, wenn man mal darüber nachdenkt, einige Zusammenhänge , und zwar wie gefangen Ill in seiner Situation ist. Auch wird im Nebenraum Ton und Licht gesteuert, z.B. grünes Licht für den Wald oder das Signal eines Zuges.

Die Schauspieler spielen auch wirklich ernst und bringen auch die Figuren sehr gut rüber und spielten, wie im Buch beschrieben. Klar ist, wenn man nur eine gewisse Anzahl von Schauspielern hat, können nicht alle Rollen verteilt werden, aber trotzdem gab es keine großen Abweichungen. Bürgermeisterin statt Bürgermeister und Lehrerin statt Lehrer, trotzdem waren die meisten wichtigen Szenen drin. Es ist witzig, aber auch besonders spannend, deshalb ist es für die, die das Drama kennen, für das Erfassen der Zusammenhänge gut und für die, die es nicht kennen, ein besonders spannendes Ereignis.

von Philipp Wesemann